Reminiszenz an meinen Großvater väterlicherseits

Bürgersaal Ettlingen

Wer am Volkstrauertag ausschließlich deutschen Gefallenen huldigt, missachtet bewusst den Sinn dieses Tages und betreibt nichts anderes als politisch motivierte Symbolpolitik. Hinter pathetischer Ehrenrhetorik verbirgt sich eine nationalistische Inszenierung, die nicht gedenken, sondern deuten will: weg von historischer Verantwortung, hin zu einer verklärten Opfererzählung. Solche Gruppen nutzen die Bühne des Gedenkens, um ein einseitiges Narrativ zu platzieren, das Täter- und Opferrollen verwischt und die Verbrechen von Wehrmacht, SS und Polizeiverbänden ausblendet. Der Volkstrauertag aber gilt allen Opfern von Krieg, Gewalt und Diktatur – er mahnt zur Demut, nicht zur nationalen Selbstüberhöhung. Wer ihn zur Feier einer exklusiven „Gefallenenehre“ umdeutet, hebelt seine Botschaft aus und verzerrt das Gedenken zum politischen Ritual. Das Deutschsein ist keine heilige Monstranz, hinter der man die Schreckenstaten deutscher Kriege verschwinden lassen kann. Diese bewusst gesetzte Verengung ist kein Gedenken, sondern Geschichtsverfälschung im Mantel des Nationalismus. Wenn ich heute sagen kann, dass ich stolz bin, in der Bundeswehr gedient zu haben, dann drückt das einen Lernprozess aus, den uns gerne ein bestimmtes Klientel vergessen machen möchte.

Rainer Kunz
Liberaler Stadtrat und Ortschaftsrat in Schluttenbach